Die im Museum am Dom gezeigten Werke widmen sich auf unterschiedlichen Weisen Kartografien und Symbolik. Diese visuellen Systeme erscheinen zwar objektiv, doch sie strukturieren Wahrnehmung und Wissen. Überzeichnete Landschaftsdarstellungen zeigen, dass jede Darstellung stets eine Auswahl trifft, ordnet und gewichtet. Die Welt erscheint hier nicht nur in ihrer Abbildung, sondern wird aktiv geformt: Kartierungen und Darstellungen dienen dazu, Wahrnehmung zu strukturieren, Räume zu erfassen und die Welt in Gefüge zu bringen. Einen Gegenpol bilden im ersten Stockwerk Lichtprojektionen auf graviertes Glas, deren Schatten sich mit frühesten Zeugnissen unserer Kulturgeschichte verbinden. Migration erscheint in dieser Ausstellung als sowohl emotionale wie physische bewegende Norm, die Dauerzustände als Wellenlinien beschreibt. Sie zieht sich durch Raum und Zeit, sichtbar in den Geschichten, Bildern und Objekten, die von stetiger Veränderung, von Ankommen und Weitergehen berichten. Rheinland-Pfalz wird sichtbar als Durchgangsraum, als Ort des Ankommens, Weiterziehens und Neuverortens. Besonders deutlich wird das in der Arbeit „Kameelthier Project“: der Künstler untersucht humorvoll und kritisch die Auswirkungen des Kolonialismus. Ein als orientalisch stereotypisiertes Tier landet dabei als Butterkeksform im deutschen Supermarkt. Die Arbeit zeigt, wie kulturelle Bedeutungen wandern, sich verschieben und in neue Kontexte eingeschrieben werden. Jene Arbeit deutet zudem eine persönliche Migrationsgeschichte an und eröffnet das Thema des Ankommens.
Die Rheinland-Pfalz Triennale im Museum am Dom entfaltet eine Geschichte von Bewegung und Veränderung. Im Zentrum stehen Transformation, Landschaft und die Art und Weise, wie Welt sichtbar gemacht wird. Diese Themen erscheinen nicht als Ausnahmezustände, sondern als Grundbedingungen menschlicher und ökologischer Existenz. Die Skulptur „Kein Brunnen“ zeigt eindrücklich die Folgen von Dürre und lässt im Zusammenhang dieser Ausstellung eine weltweit häufige Migrationsursache deutlich werden.Eine leitende Figur der Präsentation ist mitunter der Zugvogel. Seine Routen, heute sichtbar beeinflusst durch den Klimawandel, fungieren unter anderem als sensible Marker für Verschiebungen in Umwelt und Lebensräumen. So verbindet eine Werkserie diese Perspektive mit den römischen Wasservogelmosaiken aus Trier und bringt unterschiedliche historische Formen des Beobachtens in Beziehung.
Natur und Kultur, Bewegung und Erinnerung, persönliche Biografie und globale Dynamik sind auf der Ausstellungsfläche eng miteinander verbunden. Migration und Transformation können so nicht als Verlust von Stabilität gelesen werden, sondern vielmehr als Möglichkeit, um Wahrnehmung, Zugehörigkeit und Verantwortung neu zu denken. Eine Fensterinstallation von Valentina Jaffé verändert sich mit dem Tageslicht und den vorbeiziehenden Wolken: Farbschichten werden je nach Standpunkt und Zeit in einen neuen und unwiederholbaren Moment ihrer Wahrnehmung gezogen.